31. Juli 2025

Kopf vs. Herz

Diese Zeilen schlummern schon eine ganze Weile in mir. Nur langsam und Stück für Stück quälen sie sich durch Gedanken in diese Worte. Es liegt wohl daran, dass ich immer noch nicht beschreiben kann, was passiert ist. Mir fehlen die Worte. Aber irgendwie auch die Gefühle dazu. Es ist große Leere, gefüllt mit ganz viel Frieden. Verlust gefüllt mit neuen Möglichkeiten. Möglichkeiten, die ich heute noch nicht sehe, aber ich weiß, dass sie auf dem Weg zu mir sind.

Es ist ein klassischer Fall von Kopf vs. Herz. Denn was jetzt passiert ist, dass ist in meinem Kopf schon sehr lange sehr klar. Lange Zeit habe ich mich im Kreis gedreht. Immer und immer wieder. Es fühlte sich an wie eine nie endende Achterbahnfahrt. Jeder Looping gab mir Nervenkitzel, Lebendigkeit, Abenteuer aber auch tiefe Leere, Dunkelheit, Schmerz und Tränen.

So oft hat mein Kopf diese Entscheidung schon getroffen. So klar war der Weg. Bis zum nächsten Looping. Dann war wieder alles wie immer. Ich bin erschöpft. Müde. Ich kann nicht mehr. Jeder neue Looping war wie eine Sucht. Mein System ist leer. Das ist nun klar. Die Reise zum Lech hat dies noch viel deutlicher gemacht.

Es war mir zunächst nicht bewusst, doch heute weiß ich, dass ich es eigentlich schon die ganze Zeit wusste. Tief in mir. Nämlich in meinem Herzen. Es ist der Kopf, der Verstand, der immer wieder festhält, wo das Herz längst loslassen möchte. Es ist Sicherheit. Es ist Gewohnheit. Es ist das gute Gefühl zu wissen was man hat. Und eigentlich ist es ja auch prima so. Es ist nicht schlecht. Mit vielen Dingen im Leben kann man sich ganz hervorragend arrangieren und sie belassen wie sie sind. Weil eigentlich alles ganz ok ist.

Ich wusste, dass diese Reise nicht nur ein Urlaub sein würde. Mein Herz wusste es lange vorher. Drum hat es mich auch an diesen Ort gebracht. Ich wusste, dass sich etwas verändern wird. Ich wusste, dass ich nicht als die Selbe wiederkommen werde. Und doch wusste ich nicht was passieren wird.

Schon am ersten Tag spürte ich, was am letzten Tag passieren würde. Ohne es wirklich zu wissen. Es war dieses Gefühl, das ich lange nicht erklären und einordnen konnte. Doch es war ein stilles Loslassen. Ein Abschiednehmen von Menschen, Orten und Erfahrungen. Ein Abschiednehmen von meinem alten Leben.

In diesen zwei Wochen habe ich so viele Zeichen bekommen. So viele Impulse. So viele klare Antworten. Es war ein Wechselbad der Gefühle. Tag für Tag. Zwischenzeitlich dachte ich, es zerreißt mich. Denn mein Kopf wollte all das auf keinen Fall. Doch je lauter der Lech desto stiller der Verstand und so spürbarer das Herz. Es fühlte sich an als hätte das Universum großen Spaß an diesem Prozess. Immer tiefer und intensiver. Jetzt sollte ich nicht mehr weglaufen. Jetzt sollte ich es endlich wirklich spüren und wagen.

Das Universum regelt. Ohne unser Zutun. Es braucht nur die Bereitschaft der Veränderung. Bereit war ich. Das wusste ich. Ich wusste sehr klar, dass der Zeitpunkt gekommen ist jetzt alles loszulassen. Alles gehen zu lassen. Alles… Nur dann kann Neues kommen. Der Moment war da, als ich den kantigen Herzstein in den Händen hielt und wusste, wenn ich den jetzt ins Wasser werfe, dann würde ich endgültig mein Herz öffnen. Alles gehen lassen ohne zu wissen was kommt. Und so war es auch. Das war wenige Tage vor der Heimfahrt. Eine frische Energie durchströmte mich. Eine Freiheit und Leichtigkeit, die ich so noch nicht kannte.

Und dann war er da, der letzte Tag. Gemischte Gefühle. Doch auch Vorfreude. Aufregung. Es war die letzte Fahrt in der Achterbahn. Ich stieg mutig ein. Den letzten Looping im Blick. Der Verstand klammert mit allem was er hat. Doch in diesem einen Moment siegt das Herz. Tränen laufen völlig unerwartet. Ich spüre die Anspannung bevor sich auf einmal alles löst. Der Moment ist gekommen und mein Herz hat nun endlich gewonnen. Niemals zuvor hatte ich das Gefühl, dass dieser Schritt jetzt dran ist. Dass es der richtige Schritt zur richtigen Zeit ist. Und das diese Tränen, die da laufen keine Traurigkeit sind, sondern die pure Freiheit und der erste Schritt in ein neues Leben.

Nach dieser Reise weiß ich, der Zeitpunkt kommt, wenn er wirklich reif ist. Dann, wenn das Herz bereit ist diesen Schritt zu gehen. Und diesen Zeitpunkt kann der Verstand nicht festlegen. Diesen Zeitpunkt fühlt man. Der Körper rebelliert. Das System spielt verrückt. Und zwischen all dem ist eine tiefe Ruhe. Ein unfassbarer Frieden und das Wissen „Jetzt“.

Und jetzt? Ich bin müde. Unendlich müde. Leer, erschöpft. Vor allem leer. Da ist auch ein bisschen Sehnsucht, ein bisschen Wehmut, ein bisschen Trauer, ein bisschen Schmerz, aber vor allem ganz viel Leere und die Gewissheit das Richtige getan zu haben. Und da ist das Gefühl endlich frei zu sein. Das Gefühl an einer Kreuzung angekommen zu sein und endlich in eine andere Richtung gehen zu können. Mit dem Herz in der Hand. Weit offen und bereit für alles was jetzt kommen mag! Und eine Leere, die sich jetzt füllen darf. Mit Liebe, Licht und Abenteuer. Mit Freude und purer Energie. Mit dem Gefühl von Lebendigkeit und dieses Leben zu spüren mit jeder Zelle meines Körpers!

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